November, 2015 /

Im Dunstkreis der Sucht: die Angehörigen

Egal ob Alkohol, Cannabis, härtere illegale Drogen, Medikamente oder Glücksspiel : der Verlauf einer Suchterkrankung vom unauffälligen Konsum über Missbrauch bis hin zur Abhängigkeit ist fließend. Es ist ein Prozess, der sich in den meisten Fällen über Jahre hinzieht. Die Persönlichkeit und das Verhalten einer Person ändern sich dabei massiv.

 

Und die Angehörigen spüren, wie ihnen das Suchtmittel Stück für Stück den geliebten Menschen entfremdet und wegnimmt.
Denn die abhängige Person handelt wie ferngesteuert, ist nicht mehr zugänglich. Alles reden, bitten, streiten oder drohen trifft auf taube Ohren. So nimmt die Sucht auch im Alltag der Angehörigen einen immer größeren Raum ein. Das Zusammenleben und die Beziehungen werden nachhaltig belastet, Vertrauen zerstört. Die Angehörigen übernehmen Aufgaben, die die erkrankte Person nicht mehr selber erledigt. Eigene Interessen und Bedürfnisse werden dabei vernachlässigt. Gleichzeitig wird aus Scham das Problem von allen Beteiligten über einen langen Zeitraum nach außen hin bagatellisiert oder ganz verheimlicht. Vor allem eine bittere Erkenntnis wird immer deutlicher: wenn der Erkrankte sein Verhalten aus eigenem Antrieb (noch) nicht ändern will, können die Angehörigen schlichtweg nichts dagegen tun! Sie erleben sich als völlig hilflos.

 

Um sich aus der zerstörerischen Dynamik der Suchterkrankung zu befreien, sollten sich Angehörige im Idealfall bereits frühzeitig Unterstützung suchen. Sie können zum Beispiel Hotlines nutzen oder sich an eine Suchtberatungsstelle wenden. Dort erhalten sie kostenlos und vertraulich Informationen zum Thema Sucht, zu Co-Abhängigkeit und zu Strategien beim Umgang mit der/dem Erkrankten.  Als sehr hilfreich und wertvoll werden auch Selbsthilfegruppen erlebt.

 

Eine Suchterkrankung ist ein mächtiger Feind, gegen den Angehörige unfreiwillig angetreten sind. Die Heimlichkeiten zu beenden, über das Problem sprechen zu können und sich im eigenen Interesse konsequent abzugrenzen sind daher wichtige Maßnahmen. Es geht dabei nicht darum, den Erkrankten einfach im Stich zu lassen. Vielmehr sollten Angehörige vor allem wieder für sich Verantwortung übernehmen. Zwar können sie die erkrankte Person dazu ermutigen, sich professionelle Hilfe zu suchen,  die Entscheidung für ein Leben ohne das Suchtmittel kann aber nur er oder sie allein treffen.

 

 

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